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Blumen am Straßenrand

Texte über das Tempo

Drei kurze Texte zum Lesen, nicht zum Rechnen. Sie handeln von dem, was kein Rechner kann: von der Frage, wohin man eigentlich so eilig will.

Datei: wildblumen-strassenrand-allgaeu-sommer.webp (WebP, max. 1600 px) · Alt-Text: „Wildblumen am Rand einer Landstraße im Allgäu, unscharf vorbeiziehender Asphalt im Vordergrund"
Erster Text

Die Blumen am Straßenrand

Mit 130 km/h hast du ein 100 Meter langes Blumenfeld 2,8 Sekunden im Blick. Mit 50 sind es sieben. Zu Fuß eine Minute. Das ist keine Metapher, das ist eine Division, und auf der Startseite gibt es dafür einen kleinen Regler. Aber die Zahl ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass du die Blumen bei 130 nicht siehst, weil du nicht hinschaust. Und dass du nicht hinschaust, weil die Fahrt in deinem Kopf schon vorbei ist. Du bist in Gedanken angekommen, bevor du losgefahren bist.

Eile ist ein Zustand, in dem die Gegenwart als Hindernis gilt. Der Weg ist das, was zwischen mir und dem Ziel steht, also soll er möglichst kurz sein. Die Rechner auf dieser Seite zeigen, dass er kaum kürzer wird. Aber selbst wenn: Was man gewinnt, ist ein Stück Zukunft; was man zahlt, ist ein Stück Gegenwart. Der Tausch sieht nur dann gut aus, wenn man die Gegenwart für wertlos hält.

Wer zu schnell fährt, um die Blumen am Straßenrand zu erkennen, fährt am Leben vorbei. Das ist der Satz, der diese Seite trägt. Er behauptet nichts über Sprit und nichts über Risiko. Er behauptet, dass das Leben am Straßenrand stattfindet, nicht am Ziel.

Entwurf. Dieser Text wird noch ausgearbeitet.

Zweiter Text

Zu Fuß ist Tempo ein Ausdruck von Leben

Es gibt einen Ort, an dem Geschwindigkeit tatsächlich etwas über die Lebenszeit sagt: den Gehweg. Eine große Auswertung mit über 34.000 älteren Menschen fand, dass die normale Gehgeschwindigkeit die Lebenserwartung so gut vorhersagt wie Blutdruck, Rauchen oder Krankengeschichte. Wer mit 75 noch zügig geht, hat im Schnitt deutlich mehr Jahre vor sich.

Aber das Tempo ist dort ein Zeichen, kein Hebel. Schneller gehen macht nicht älter; es zeigt, dass Herz, Nerven und Muskeln zusammenspielen. Am Steuer ist es umgekehrt. Das Tempo zeigt nichts über dich, es setzt etwas von dir ein: Sprit, Risiko, Ruhe. Zu Fuß ist Tempo ein Ausdruck von Leben. Am Steuer ist es ein Einsatz von Leben.

Vielleicht ist das der Grund, warum Eile am Steuer sich wie Lebendigkeit anfühlt. Sie borgt sich das Gefühl vom Gehen. Nur dass beim Gehen der Körper das Tempo macht, und im Auto der rechte Fuß.

Dritter Text

Die Rechnung kennt keinen Grund

Im Rechner gibt es einen Abschnitt, der mich beim Bauen traurig gemacht hat. Man trägt ein, was einem eine Stunde wert ist, und die Seite rechnet aus, bei welchem Tempo Sprit und Zeit zusammen am wenigsten kosten. Das Ergebnis: Je mehr jemand verdient, desto schneller darf er fahren. Bei 14 Euro die Stunde liegt das günstigste Tempo bei 119 km/h, bei 50 Euro bei 183. Die Ökonomie hat nichts dagegen, dass der Gutverdiener rast. Sie empfiehlt es.

Dann habe ich die Rechnung umgedreht: Ich will so fahren. Was müsste meine Stunde wert sein? Und auf einmal ist der Lohn keine Erlaubnis mehr, sondern ein Preis, zu dem die Rechnung einen kaufen will. Wer bei 130 bleibt und 60 Euro verdient, verschenkt nach der Logik drei Euro je 100 Kilometer. Die Rechnung kennt keinen Grund, langsamer zu fahren. Du vielleicht schon.

Das ist, glaube ich, die Stelle, an der ein Rechner aufhört und das Denken anfängt. Nicht weil die Zahlen falsch wären. Sondern weil sie nur das rechnen können, was einen Preis hat, und die Blumen am Straßenrand haben keinen.

Vorgemerkt

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